"Streichquartett" (1995)

Sylvia Dennerle im Main-Echo, 1995

...Und dann der programmatische Höhepunkt des Abends, der vielleicht so manchen zusätzlichen Besucher in das ausverkaufte Konzert gelockt hatte: die Uraufführung des Streichquartetts (mit der Satzfolge Antagonismus - Passus duriuscolus - Groteske) von Stephan Adam - eine Auftragskomposition (1995) für die Bachgesellschaft Aschaffenburg. Eine dreisätzige, weit ausladende, betont rhythmische, dabei überraschend gefällige Komposition, geprägt von "traditioneller Intervallik" und "abendländischer Harmonik", angereichert mit scharfen Dissonanzen (Passus duriusculus). Adam setzt - ähnlich wie Schnittke - bei tradierten, zum Teil bereits vorhandenem Klangmaterial an (hämmernde Rhythmen Bartok's, verfremdete Beethoven-Zitate), um daraus eine eigene zeitgenössische musikalische Sprache zu entwickeln, die wiederum durchdrungen ist von spielerischen Klang-Experimenten - die unterschiedliche Klangfarbigkeit gerade des Streichquartetts bietet hier faszinierende Gestaltungsvoraussetzungen. Die Bezeichnung des ersten Satzes "Antagonismus" kann dabei durchaus für das gesamte Werk stehen, denn Gegensätzlichkeit gibt hier den Ton an, ist werkbestimmend: die musikalischen Parameter Metrik, Rhythmik, Dynamik, Harmonik und Melodik setzt Stephan Adam bewußt kontrastierend und damit um so expressiver ein.