"Mouvement symphonique" (1993) für Blasorchester

Josef Kuhn im Fränkischen Volksblatt

Romantik mit all ihren Variationen

Als eine überaus großartige Komposition erwies sich "Mouvement symphonique" von Stephan Adam. Der Dozent an der Musikfachschule in Bad Königshofen schuf damit ein Werk, das sich ohne Abstriche in die bedeutungsvolle zeitgenössische Konzertliteratur einfügen lässt. Dieses Werk entstand als Auftragskomposition und erlebte bei diesem Konzert die bayrische Erstaufführung. Es bricht aus den gewohnten Klangstrukturen aus, bringt mit seiner erregten Rhythmik und seinen melodischen Variationen Elemente der Jazzmusik ein, dringt mit höchst interessanten Xylophonkoloraturen zuweilen in den festgefügten Klangblock des Orchesters ein, wird zum Aufschrei, um dann wieder in schwebenden Klarinettenmelodik zur Ruhe zu kommen. Ein ungeheures Werk, höchste Anforderungen dem Orchester aufzwingend, großartig, erregend, Exemplum dessen, was zeitgenössische Musik an Aussagekraft mit sich bringt.



Ernst Oestreicher in Clarino

Zur Komposition "Mouvement symphonique"

Die Beschäftigung mit diesem wegen seiner neuartigen Klangstruktur sicherlich nicht leichtem Werk eröffnet Dirigent und Orchester vielfältige neue Erfahrungen mit dem Medium Blasorchester. Stephan Adam geht konsequent den traditionellen Weg in die Moderne weiter, läßt so wesentliche Grundprinzipien des Komponierens, nämlich thematisch-motivische Arbeit und die barocke Concertotechniken in neuem Licht erscheinen, ohne in alte Strukturen zu verfallen.
Das Werk basiert auf quasi tonalen Flächen, Dur und Molldreiklänge bestimmen häufig die Binnenstruktur der einzelnen Instrumentenblöcke, aber die Addition verschiedener Klangstrukturen ergibt ein völlig neuartiges harmonisches Bild, ohne sich allzu avantgardistisch zu ergeben. Dies gilt in ähnlichem Maße für die rhythmische Struktur des Werkes, die sicherlich neben der klanglichen Transparenz die meisten Schwierigkeiten bei der Einstudierung hatte.
So wird vor allem der Dirigent zunächst bei diesem nicht leicht zu führendem Stück gefordert sein, sowohl was die Präzision der Schlagtechnik als auch die Interpretation eines manchmal sehr dichten Orchestersatzes anbelangt.